Seite wählen

Der italienische Wirtschaftshistoriker und Schriftsteller Carlo M. Cipolla (eigentlich nur Carlo Cipolla) veröffentliche 1988 sein Werk Allegro ma non troppo, welches aus zwei Teilen besteht, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Im ersten Teil legt Cipolla dar, dass der Pfeffer die treibende Kraft in der wirtschaftlichen Entwicklung des Mittelalters sei und im zweiten Teil stellt er die fünf Prinzipien der menschlichen Dummheit auf. Der zweite der beiden Essays wurde dann 2011 posthum einzeln unter dem Namen The Basic Laws of Human Stupidity in englischer Sprache veröffentlicht.

Auf den wenigen Seiten dieses hervorragenden Essays provoziert Cipolla diejenigen Leser, die sich für intelligenter als die anderen halten – und damit wohl uns alle.

Prinzip I: „Immer und unweigerlich unterschätzt jeder die Anzahl dummer Individuen im Umlauf.“

Das erste Prinzip ist wohl noch politisch korrekt. Cipolla weist nur darauf hin, dass wir naiv seien, da wir permanent glaubten, dass unsere Mitmenschen intelligenter sind, als in Wirklichkeit.

Prinzip II: „Die Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Person dumm ist, ist unabhängig davon, was für andere Charakterzüge/ Merkmale diese Person aufweist.“

Hier wird es brenzlig. Cipolla behauptet, dass die Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine Person dumm ist, vollkommen unabhängig davon sei, ob diese Bauarbeiter, Verwaltungsfachangestellter oder Nobelpreisträger ist. Er impliziert, dass es auch keine Rolle spiele, ob eine Person ein Buch pro Woche oder überhaupt nicht lese – in jeder Bevölkerungsschicht sei die Wahrscheinlichkeit, auf dumme Menschen zu treffen, gleich hoch. Nassim Taleb gefällt das.

Prinzip III: „Eine dumme Person ist eine person, die einer anderen Person oder Personengruppe Schaden hinzufügt, während sie selbst dadurch keinen Vorteil hat oder sogar selbst Schaden erleidet.“

Dieses Prinzip ist die Definition einer dummen Person beziehungsweise die Definition für dummes Verhalten: Sich selbst und anderen gleichzeitig schaden. Doch hier müsse man laut Cipolla zwischen den vier Menschentypen „helpless“ (Hilflose), „intelligent“ (Intelligente), „stupid“ (Dumme) und „bandits“ (Banditen) unterscheiden. Banditen zum Beispiel handeln in der Regel rational, weil sie „nur“ anderen Schaden, aber nicht sich selbst, Selbstmordattentäter hingegen schaden sich und anderen und sind daher schlichtweg dumm. Hilflose schaden sich selbst und helfen anderen, Intelligente handeln zum eigenen Vorteil und zum Vorteil anderer.

Prinzip IV: „Nichtdumme Individuen unterschätzen die Zerstörungskraft dummer Individuen. Besonders nichtdumme Menschen vergessen ständig, dass es sich zu allen Zeiten und an allen Orten und unter allen Umständen unfehlbar als teurer Fehler erweist, sich mit dummen Menschen abzugeben.“

Das vierte Prinzip ähnelt dem ersten. Falls man sich bei einer Person sicher ist, dass sie dumm ist (weil sie einer anderen Person oder Personengruppe Schaden zufügt und selbst nicht einmal daraus Profit schlägt), sollte man dringend Abstand von ihr halten. Je nach ethischem Verständnis hält man vielleicht ebenfalls Abstand von Banditen.

Prinzip V: „Eine dumme Person ist die gefährlichste aller Personen. Eine dumme Person ist gefährlicher als ein Bandit.“

Das letzte Prinzip ist eine logische Schlussfolgerung aus dem zuvor Gesagten. Dumme Menschen sind unberechenbar, weil man ihre Intention nicht kennt (und sich fragen muss, ob sie überhaupt eine haben), während Banditen leicht zu durchschauen sind. Laut Cipolla seien in einer untergehenden Gesellschaft Dumme respektive Banditen an der Macht und die Hilflosen nicht.


Literatur: Carlo M. Cipolla. The Basic Laws of Human Stupidity.