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Wenn man – wie ich – die Standardwerke zum Thema Reichwerden gelesen hat (unter anderem Denke nach und werde reich von Napoleon Hill, So denken Millionäre von T. Harv Eker, Wie man reich wird von Donald J. Trump), bekommt man den Eindruck, man habe die volle Kontrolle darüber, ob man es nun „zu etwas bringt“ oder nicht, beziehungsweise ob man finanziellen Erfolg erreichet oder eben nicht. Man müsse nur hart arbeiten, das richtige Mindset haben und so weiter. (Wenn man alleine durch diese beiden Charaktereigenschaften reich werden würde, wieso schaffen es dann nur die aller wenigsten Bauarbeiter und Handwerker, Reichtum aufzubauen?)

Ein Großteil der Bestseller zu den Themen Reichwerden und Erfolg im Allgemeinen sind – dessen bin ich mir sehr sicher – absoluter Nonsens. Der Faktor „Glück“ wird von den Autoren, die im Übrigen in einigen Fällen nicht einmal eigenen finanziellen Erfolg vorweisen können, einfach ignoriert. Somit entsteht der Eindruck, Erfolg wäre planbar und kein bisschen dem Zufall überlassen. (Zu den Wörtern Glück und Zufall, die immer wieder synonym verwendet werden: Im Internet bin ich einst auf den Gedanken gestoßen, dass Glück und Pech nur zwei verschiedene „Namen“ respektive zwei verschiedene Interpretationen von zufallsbedingten Ereignissen sind. Glück und Zufall sind nicht das gleiche, sondern ein zufälliges Ereignis – wie etwa ein Flugzeugabsturz – kann natürlich auch negative Konsequenzen haben.) Warum sind die Bücher nun Nonsens? Weil eben manche Autoren nicht zugeben wollen, dass viele (nicht alle!) Millionäre und Milliardäre hauptsächlich durch glücklichen Zufall zum ihrem Vermögen gekommen sind, sondern jeden Cent auf bereits angesprochene Faktoren wie harte Arbeit und das „richtige“ Mindset zurückzuführen versuchen. Auch der berühmte Spruch „Erfolg ist kein Glück“ ist daher Nonsens.

Die obige Argumentation nutzen viele Sozialisten um damit die Enteignung oder drakonische Besteuerung reicher Menschen (die hauptsächlich Unternehmer sind) zu rechtfertigen und damit die Gleichheit zu fördern. Den Gedanken verstehe ich auch als Nicht-Sozialist und finde daher, dass alle reichen Menschen mindestens genau so viele Steuern zahlen sollten wie alle anderen auch und das etwaige Steuerschlupflöcher geschlossen werden müssen. (Des Weiteren bin ich auch für eine sehr hohe Erbschaftssteuer, aber das ist ein anderes Thema.)

Jedoch darf man nicht vergessen, dass ein nicht unbedeutender Teil der Reichen es auch ohne großes Glück zu Erfolg gebracht hat, dass es auch Millionäre und Milliardäre gibt, die nicht ohne harte Arbeit, nicht nur aufgrund eines großen Erbes, sondern aufgrund ihres klugen Verhaltens reich geworden sind. Der Finanzmathematiker und philosophische Essayist Nassim Nicholas Taleb formuliert es am Ende seines Meisterwerks Narren des Zufalls so:

Das Einzige, über das die Göttin Fortuna* keine Kontrolle hat, ist Ihr Verhalten.

Nicht jedem Millionär oder Milliardär kann man daher den Vorwurf machen, einfach nur Glück gehabt zu haben. Von denen, die es ohne (oder nur mit ganz wenig) geschafft haben, sollte man lernen.

*Fortuna ist die Glücks- und Zufallsgöttin der römischen Mythologie


Literatur:

Napoleon Hill. Denke nach und werde reich.

T. Harv Eker. So denken Millionäre.

Donald J. Trump. Wie man reich wird.

Nassim Nicholas Taleb. Narren des Zufalls.