Seite wählen

Das Kommunistische Manifest beziehungsweise Das Manifest der Kommunistischen Partei von Karl Marx und Friedrich Engels ist eine der einflussreichsten Schriften der Weltgeschichte. Noch heute beziehen sich Scharen an Intellektuellen und Politikern auf das 23-seitige Pamphlet, welches den Grundstein des Marxismus legte. Viele von ihnen nehmen Marx´ und Engels´ Worte für bare Münze – ohne sie richtig zu analysieren oder zu prüfen. Möge meine Kritik also beginnen.

Marx (im Folgenden werde ich mich einfachheitshalber auf Karl Marx als Autoren beschränken und Friedrich Engels auslassen) war davon überzeugt, dass man die Geschichte als binären Klassenkampf mit eindeutiger Unterscheidung zwischen den Proletariern (den Unterdrückten) und der Bourgeoisie (den Unterdrückern) sehen kann. (Das ist nicht ganz akkurat ausgedrückt, denn Marx erklärt im Kommunistischen Manifest, dass die Bourgeoisie, also die wohlhabende bürgerliche Herrscherklasse, die Nachfolger der Feudal- und Grundherren im Mittelalter sind. Die Bourgeoisie sei also erst vor relativ kurzer Zeit entstanden.) Selbstverständlich ist diese Sichtweise hochproblematisch, da sie maximal simplifiziert ist und Menschen in lediglich zwei Kategorien – gut und böse – einteilt. Dass die Realität komplizierter sein muss, ist selbstredend. Zwar ist eine solche Simplifizierung für Pamphlets natürlich ein Stück weit normal, dennoch oder gerade deshalb muss man an der Stelle aber aufpassen. Für Marxisten wird so der durchschnittliche Bürger zum verachtenswerten Ausbeuter oder sogar gleich zum Sündenbock für alle Probleme der Welt – der Proletarier hingegen sei ein selbstloser Mensch, frei von den Fehlern des Kapitalisten. Den moralischen Charakter eines Menschen nur anhand seines Vermögens beurteilen zu wollen – naiver geht es nicht.

Darüber hinaus forderte Marx die Diktatur des Proletariats und damit insbesondere die Verstaatlichung und Zentralisierung aller Produktionsmittel. Er war also davon überzeugt, dass komplexe wirtschaftliche Prozesse zentral geplant werden können – von einigen wenigen Menschen. Das ist absolut falsch. Planwirtschaften können nicht funktionieren, da zentralisierte Systeme deutlich fragiler als dezentralisierte Systeme sind und kleine menschliche Fehler zu großen Katastrophen führen können. Zudem hat es bis heute keine Planwirtschaft gegeben, die auch nur im Ansatz so viel Wohlstand wie die (freie) Marktwirtschaft produzieren konnte. Tatsächlich hat Marx sogar mehrfach zugegeben, dass der Kapitalismus wie kein anderes System in der Lage ist, beträchtlichen Wohlstand zu produzieren.


Literatur: Karl Marx, Friedrich Engels. Das Kommunistische Manifest.